MY MOJO (D) 12.05.08
1. Wie lange gibt es euch schon als Band und wie habt ihr euch
kennengelernt?
Nun schon eine ganze Weile, wir sind schon über zehn Jahre zusammen. Begonnen hat alles mehr oder weniger beim gemeinsamen Plattenhören auf Partys, wir hatten alle eine sehr starke Affinität zu den neunziger shoegaze-bands, wie ride, slowdive oder my bloody valentine und haben uns entscheiden eine Band zu gründen. Damals hat diese Musik in Deutschland praktisch nicht stattgefunden und die Leute in den zahllosen Bluesrock-Schuppen haben das ganze überhaupt nicht verstanden. Die dachten das wäre so 70er Psychedelic- revival, waren aber total enttäuscht weil's ja Popsong Strukturen waren. Die wollten Gitarrensoli und ähnlichen Quatsch. Die paar tatsächlichen "indie fans" gab's bestimmt damals in Hamburg oder in Ostwestfalen bei Sharon Stoned. Bei uns zu Hause herrschte immer noch der Bluesrock. Bands mit Hut und hochgekrämpelten Sakkos. Es hat eine ganze Weile gedauert bis wir auf Konzerten auf Verständnis gestoßen sind. Jetzt ist das zum Glück anders.
2.Ein Fake des neuen DCFC Albums mit euren Songs, geistert durchs Internet. Wie habt ihr darauf reagiert und gab es Resonanz?
Das hat uns tatsächlich getroffen wie der Blitz. Zum ersten mal habe ich von MTV New York darüber erfahren. Die haben (tatsächlich) bei mir angerufen und gefragt ob sie ein Interview mit uns zu der Sache machen können. Wir haben dann das Ganze mit Charlatantric und diesem DCFC Aprilscherz erfahren, also daß jemand unser Album "HOME WATERS" als das neue "narrow stairs" als download scherzweise angeboten hat.
Wir haben uns erstmal erschreckt, dann aber doch recht schnell über die unzähligen freundlichen Worte aus der ganzen Welt gefreut. Es schreiben uns seit dem täglich Leute überwiegend aus den USA aber auch aus Brasilien, Kanada, Israel und Japan, daß Sie glücklich sind reingelegt geworden zu sein, weil sie uns sonst nicht entdeckt hätten. Wir sind nun dabei eine eigene Struktur aufzubauen um den ganzen Platten requests irgendwie nachzukommen.
Zusammenfassend ist zu konstatieren, daß dieses ständige mit DCFC verglichen werden schon arg nervt, aber die Freude über die liebevollen Reaktionen der Leute überwiegt.
3. Schreibt ihr eure Songs als gesamte Band, oder hat ein bestimmtes Member das Zepter in der Hand?
Bei unseren letzten Alben haben wir die Musik immer gemeinsam entworfen, ich habe dann die Texte dazu geschrieben und wir haben die Songs im Studio mit Oli Rüger weiterentwickelt und ausproduziert.
Bei "HOME WATERS" war der Aufwand im Studio schon recht groß, weil es uns darum ging, fertige Songs die ein gewisses Ziel vorgeben, vielseitig zu instrumentieren und zu produzieren und dieses Ziel zu erreichen. Das hat in unserem Fall sehr lange gedauert und war schon ein ziemlicher Kraftakt.
4. Wovon handeln eure Texte? The usual emotional stuff oder geht es euch um andere Dinge?
The usual emotional stuff? Weiss nicht was das ist. Ich schreibe recht oft übers Scheitern und Weitermachen, fürchte ich. "HOME WATERS" erzählt viel über unsere und insbesondere meine dörfliche Herkunft. "The getaway" zum Beispiel ist ja quasi ein kleiner Aufruf zur Landflucht, aber im Großen und Ganzen handeln die Songs von den Dingen die uns wichtig sind und das ist nun mal bei uns nicht die Politik wie im Punkrock, oder die Fantasie wie im Metal, sondern die einschneidenden Ereignisse in unseren Leben mit Freunden, Nachbarn oder eben Heimatorten. Dies sind die kleinen Dinge die uns bewegen und die wir als ausreichend wichtig erachten um sie in Songs zu verarbeiten. Ich denke, daß wir das auch glaubhaft verkörpern können. Ich könnte niemlas ernsthaft einen Song über irgendwelche "sexy girls" oder so'n "fight the power"-Käse darstellen. Das ist mir total fremd und würde mir auch bestimmt keiner glauben.
5.Was haltet ihr vom momentanen Indie-Boom um Bands wie Mando Diao, The Killers oder den riesigen Emo-Bereich? Segen oder Fluch?
Weder Segen noch Fluch, sondern schlichtweg Wurscht. Diese Bands interessieren uns eigentlich nicht sehr. Ich sehe das auch weniger als indie-boom. Indie ist für mich was anderes, musikalisch meine ich, das hat nichts mit der Größe der band zu tun, aber mit der Musik und die ist den genannten Fällen meiner Meinung nach doch recht anders. Mando Diao habe ich bis heute noch nicht verstanden. Ich fürchte ich weiß auch immer noch nicht was Emo ist. Manche glauben ja, das wäre so Rockgitarre, schwarzes Skater Outfit, üppig Mascara und dann schreiend Verständnis „der Anderen“ einfordern - sowas wurde mir jedenfalls schon öfters als Emo präsentiert. War blöd.
6. Im Internet findet man nur schwer Infos über euch und auch auf der Myspace Page oder eurer Internetsite haltet ihr euch relativ bedeckt: Konzept oder Zufall? Was steckt hinter dem Mysterium Velveteen?
Weiss nicht ob es da ein Mysterium gibt. Wir sind schlichtweg eine recht unbekannte Band die nicht die ganze Zeit ruft: "hallo hier sind wir". Das passt nicht zu uns, selbst wenn wir uns mit so einer attitude bestimmt auch oft im Weg stehen, sind wir anscheinend einfach so. Wir verbergen nichts absichtlich, wenn das jetzt mysteriös rüberkommt find ich das lustig, ist aber bestimmt nicht so gemeint. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir oft durch die krampfhaften Versuche so mancher Bands, sich in Szene zu setzten, schrecklich peinlich berührt sind und deshalb uns profilaktisch eher zurückhalten.
Ich denke man muss akzeptieren dass nicht jeder ständig im Mittelpunkt stehen kann und schon gar nicht muß und sollte endlich aufhören die Ratschläge von A&Rs zu befolgen, alles (und die meinen meisten wirklich alles) zu tun um aufzufallen. Es haben schon so viele, auch wir, die Korken zu früh knallen lassen. Das endet immer bitter. Wir genießen unsere Freiheiten und arrangieren uns mit den daraus resultierenden Unannehmlichkeiten, und können damit recht zufrieden in die Zukunft blicken.
7.CD oder LP?
Die CD liegt definitiv im sterben wegen MP3. Vinyl ist teuer. Klar, ich komme auch aus der LP Generation und habe gekotzt als es nur noch CDs gab. Aber dieses „Pure Vinyl“-Spießertum geht mir auch mächtig auf die Nerven. Uns ist es, glaube ich echt egal wo drauf was ist, solange es was Gutes ist und sparen uns die Binsenweisheit vom haptischen Erlebnis.
8. Eure Songs klingen in meinen Ohren sehr "undeutsch", eher amerikanisch angehaucht. Fühlt ihr euch mit der hiesigen Szene verbunden oder blickt ihr eher über den großen Teich?
Wir haben selbstverständlich unsere Wurzeln in anglo-amerikanischer Musik, dennoch sind die Bands die uns stark beeinflusst haben, auch verstärkt diejenigen die uns auf unserem frühen Leidensweg tatsächlich begleitet haben und dies waren in erster Linie Bands wie Readymade oder Seesaw. Wir waren ja auch mal in Weilheim und haben mit The Notwist Produzent Mario Thaler gearbeitet. Ich denke dieser Ort und The Notwist sind so ziemlich das ist, was man als Deutschen indie-Standpunkt festlegen konnte. Diesem Standpunkt fühlen wir uns musikalisch und ich denke sogar auch ein wenig ideologisch verbunden.
Mich haben in den letzten Jahren, anders als früher, die englischen Bands von denen hier so große Notiz genommen wurde recht wenig begeistert.
Ganz anders sieht das für uns in Deutschland aus, wo es uns natürlich nur auf Grund unseres Heimvorteils möglich ist, solche hervorragenden Bands wie Stun oder Daturah kennen zu lernen, ganz abgesehen von den etablierten wie The Notwist oder Slut.
Mir ist eben auch dieser amerikanische zurückhaltende Stil von Grandaddy oder Pedro The Lion viel lieber als schon wieder die nächste „best Band ever“ aus dem NME. Ich verehre da schon ein paar Bands in den USA, eher als in England, denke aber dass wir trotzdem wie eine deutsche indie Band klingen und das ist auch richtig so.
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