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PRETTY PARACETAMOL / 20.02.10
„Ach noch so eine amerikanische Indie-Retro Band, die sich bei den üblichen Verdächtigen des Noisepop / Shoegaze der aufstrebenden 90er Jahre bedient“, fährt es mir beim Lesen des CD Beipackzettels durch den Sinn. Velveteen, woher kenne ich die. Mist, es fällt mir nicht ein.
Ride, My bloody Valentine, Slowdive, wie oft habe ich diese Namen als Referenz gehört. Shoegaze, das gehypte neue alte Etwas des letzten Jahres erlebt 2010 scheinbar seine Fortsetzung.
Velveteen sind keine Newcomer. Es ist bereits ihr viertes Album und – halt! – Velveteen keine amerikanische Band. Die vier Musiker, namentlich Christoph Faust, Thomas Müller, Christopher Sparkes und Carsten Schrauff, stammen aus Frankfurt. Ich hätte es hören können. Der Gesang von Carsten Schrauff hat diesen sehr typischen Klang, den englisch singende deutsche Indiepopbands so mitbringen. Die Stimmen von Jersey, The Notwist oder auch Miles klingen ähnlich. Da mögen die Gitarren und Arrangements noch so ausgefuchst angloamerikanisch daher kommen, es hilft alles nichts. Der Gesangstil als Erkennungsbild und Herkunftsausweis bleibt. Zumindest in diesem speziellen Fall. Aber es ist ziemlich egal, woher eine Band stammt und mit welchem Akzent oder was-auch-immer sie musiziert. Hauptsache, sie ist da und, wenn es gut läuft, zieht einen mit ihren Songs in den Bann. Velveteen können das. Spielend, im wahrsten Sinne des Wortes.
Velveteen erfinden das Rad nicht neu, die Melodien klingen vertraut. Was soll ich auch erwarten, wenn ich die Bandnamen, die als Einfluss und Inspiration herhalten, als wahr annehme. Da höre ich vor meinem geistigen Ohr ganz automatisch Gitarrenwände (kann sich mal einer einen neuen Begriff einfallen lassen) und Feedbackschnackereien. Ich brauch die CD gar nicht einlegen. Nachdem ich es dann doch getan habe, war ich verwundert. „27“, so der Name des neuen Albums, ist Shoegaze mit Blubb. Oder zeitgemäßer Indiepop. Wie auch immer.
„Das hört sich schon fast mehr nach The Notwist als nach My bloody Valentine an.“ höre ich jemanden sagen. Und auch ich hatte robustere Gitarren erwartet. Tatsächlich bestehen die elf Songs aber aus mehr als nur übereinandergeschichteten Gitarrentonspuren. „I divide Europe“ zum Beispiel, das nach dem gitarrenflirrenden „L.S.P. wars“ die nächstliegende Abfahrt nach Weilheim wählt und aus dem dort ansässigen Notwist Laden die guten Sachen mitnimmt. Das kommt nicht von ungefähr, wurde das Album doch in eben diesem bayerischen Städtchen aufgenommen und produziert. Das färbt ab. Ich höre tolle Songs zwischen catchy, clumpsy, cosmic Gitarren und kleinen elektro- Spielereien. Alles wohl dosiert. Der Gesang nimmt sich zurück, ist fast flüsternd, die Gitarrenharmonien sitzen wie sonst nichts und die Keyboards unterstützen ohne stilbrüchig zu wirken. Und je länger das Album läuft, desto mehr Death Cab for Cutie und / oder Postal Service erhöre ich. Grandaddy möchte ich noch hinzufügen und dann ist Schluß mit