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Mi. 20.02.08 Frankfurter Allgemeine Zeitung /Melodiebögen und Breitwand-Klänge
Schon seit über zehn Jahren spielen sie zusammen, unlängst veröffentlichte Velveteen mit "Home Waters" ein eindrucksvolles fünftes Album. Längst hat sich das Frankfurter Quartett mit der Tatsache angefreundet, dass individueller Rock hierzulande so gut wie nie vordere Hitparadenplätze erreicht. Umso souveräner entwickelt die Band ein klar erkennbares Profil, zu dessen Charaktermerkmalen Ernsthaftigkeit und Integrität gehören.Ende der Neunziger Jahre, als große Plattenfirmen mitunter noch viel Geld in junge Gruppen investierten, schien für einen Moment eine Pop-Karriere greifbar. Doch kaum waren die Songs für das anvisierte Album geschrieben und ein Marketingplan entworfen wurde den Musikern klar, dass ihre eigenen und die Vorstellungen der "Major Company" unvereinbar weit auseinander lagen. "Es ging gar nicht mal so sehr um die Wahrung eines hehren Ideals der Unbestechlichkeit", erklärt Songschreiber Carsten Schrauff, "wir merkten einfach, dass wir eine grundsätzlich andere Musik machen wollten. Außerdem hätten wir die Vermarktungsstrategien der Firma mit Auftritten in Daily-Soaps und ähnlichem niemals glaubwürdig vertreten können." Dem Bruch mit der Industrie folgte eine Besinnung auf die eigenen Kräfte. Konsequent bezahlt die Band seitdem ihre Produktionen selbst und genießt die künstlerische Freiheit. "Wir verkaufen zwar nicht so viele Platten, haben aber umso mehr Spaß dabei." Nach dem selbst verhinderten Abstieg in die Pop-Untiefen wurde Carsten Schrauff auch Sänger von Velveteen. Spektakuläre Ausbrüche sind nicht seine Sache. Viel mehr liegen ihm interessante Melodiebögen, warmes Timbre, der Wechsel von Intimität und Weite, zuweilen auch ein Hauch Lakonie. Mit dem Etikett "Britpop" allein ist die aktuelle Musik von Velveteen kaum zu fassen. Eine hintergründige Ballade wie "The Drummer Goes Berserk" könnte mit ihrem unkitschig-traumverlorenen Gesang und einem Arrangement aus dezenten Elektrobeats, eleganten Keyboards und fragilem Cello auch die nächste Notwist-CD schmücken. Das ebenfalls relativ ruhige "The Getaway" beginnt mit Akkorden eines alten Pianos, die nach und nach von ausgefeilten E-Gitarrenmustern ergänzt werden. Spät setzt das Schlagzeug ein, zunehmend verdichtet sich die Intensität, wandelt sich die Aura des Stückes Richtung intelligentem Pop. Extremes Gegenstück dazu ist "Come Round Here No More" ein soghafter Trip aus tieftönenden, alles ertränkenden Gitarrenattacken, verwehender Stimme, einer fast verlorenen Melodieminiatur und kurzen ruhigen Momenten. Viele Songs von Velveteen fesseln durch dynamische Wendungen, facettenreiche bis hymnische Breitwand-Sounds, kleine Nuancen oder auch mal vorwärtsstrebende Angriffslust wie in "The Big Lay Off". Hinzu kommen Schrauffs reflektierte Texte, die unter verschiedenen Aspekten Scheitern als Chance betrachten. Ebenso wohlüberlegt ist die musikalische Vielfalt. "Ein Album überzeugt nur, wenn die Stücke sorgfältig produziert sind und so viel Abwechslung bieten, dass man wirklich alle hören will", findet Carsten Schrauff. Mit dieser Haltung ist Velveteen auch ein lebendiges Plädoyer gegen Verflachung und Eintönigkeit in der Popmusik. 
NORBERT KRAMPF